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Martin Ebers

"Das halbe Bild"

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Gewalthaltige Computerspiele

1. (Versuch zu einem) Vorwort

...um so mehr, als sich dieses Dossier immer mehr zu einer regelrechten Enzyklopädie des Abstrusen entwickelt, die demonstriert, daß Menschen, die eine bestimmte Haltung einnehmen, diese ggf. auch mit hergeholten Argumenten zu verteidigen suchen.

Die öffentliche "Diskussion" wird bereits sehr undifferenziert und mit negativen oder irreführenden Begriffen geführt. So wurde der Begriff "Killerspiele" offenbar von den Medienkritikern geprägt, von diesen aber so verwendet (Zitat Anja Reschke: "sogenannte Killerspiele"), als ob es sich dabei um einen feststehenden Begriff handle (vgl. "Christian in Japan: Killerspiele...", Beitrag vom 22.11.2006; abgerufen am 13.11.2007), der nicht nur eine Meinung, sondern auch einen tatsächlichen Inhalt transportiere. Die Haltung, die damit vermittelt wurde, war natürlich, daß wenn schon der vermeintlich "allgemein gebräuchliche" Begriff so etwas beinhalte, wohl nur ein großer Ignorant nicht sehen könne, daß es sich dabei um Inhalte handelte, die einem "gesunden moralischen Verständnis" widersprechen. Es wurde damit kalkuliert, daß bei den meisten Menschen mit einem solchen Begriff die Reflexion bereits aufhört und das "Wissen" um die Schädlichkeit solcher Spiele festgeschrieben ist.

Auch die "wissenschaftliche" Auseinandersetzung mit dem Thema Computerspiele ist nicht unbedingt daraufhin ausgerichtet, empirisch belegbare Aussagen zu schaffen. Häufig werden Studien von Gruppen mit einer bestimmten Intention finanziert. So hatte ein konservativer Politiker aus dem US-Justizministerium eine Studie der Harvard University mit Geldmitteln mit der Intention finanziert, daß dadurch eine Jugendgefährdung durch Computerspiele belegt werden könne (vgl. "Nichtspielen ist ein Zeichen fehlender Sozialkompetenz", abgerufen am 08.05.2008). Ähnlich hatte in Deutschland der passionierte Jäger und Scharfmacher Uwe Schünemann verkündet, er wolle mit Hilfe des KFN, des Forschungsinstituts des ebenfalls zu einer gewissen Prominenz gelangten Medienkritikers Christian Pfeiffer, seine im wesentlichen intuitive diesbezügliche Einschätzung beweisen lassen.

Relative Mehrheiten sollen wie Minderheiten behandelt (vgl. zu dieser Begriffsbildung ein Interview mit der Verlegerin Antje Kunstmann in "Zwischentöne", DLF, 13.04.2008) und ausgegrenzt werden. Mit diesen Hetzbegriffen wird schließlich erreicht, daß die eigenen Eltern ihren Kindern nicht mehr vertrauen, daß diese keine potentiellen "Meuchelmörder" oder Kinderschänder seien. Jedenfalls gab ein 44jähriger Computerspieler, der gegen Günter Beckstein schließlich Anzeige erstattete, nachdem dieser mehrfach öffentlich Computerspieler als "Mörder" und "tickende Zeitbomben" bezeichnet und mit Kinderschändern verglichen hatte, zur Begründung an, daß seine eigene Mutter ihn schließlich zur Rede gestellt habe, wieviele Kinder er denn heute schon mißbraucht habe (vgl. "Beckstein angezeigt"; "PC-Action-Leser stellt Strafanzeige gegen Beckstein", abgerufen am 08.05.2008). Mir sind auch Fälle bekannt, bei denen jemand "Pornographie" und "Kinderpornographie" oder "Homosexualität" und "Pädophilie" nicht auseinanderhalten konnte. Dies nicht nur so unreflektiert dahergesagt (vgl. "Traineransichten: Daum-Äußerungen verärgern Homosexuelle", abgerufen am 25.05.2008), sondern ggf. auch aus Vorurteilen (vgl. "Vatikan: Homosexualität aus psychologischer Sicht"; "Vatikan: Papst erzürnt über pädophile Priester", abgerufen am 01.06.2008) oder vermeintlich "moralischen" Erwägungen (vgl. Kongregation für die Glaubenslehre 2003). Offenbar scheint auch die Meinungsmache derart verfangen zu haben, daß Menschen imstande sind, ihren eigenen Verwandten Derartiges zuzutrauen. Womit denn auch die Phase des Wahnhaften erreicht sein dürfte.

Mittlerweile werden derartige Einschätzungen denn auch von den Medien als "Argumente" gebraucht, was zu einer selbst verstärkenden Wirkung führt. So berichtete "Panorama" am 15.05.2008 über einen jungen Deutschen, der zum Islam konvertiert und in islamistische Kreise abgerutscht war. [Wobei man sich andererseits auch darüber beklagte, daß man diesen Mann, der bisher kein Verbrechen begangen hatte, nicht überwachte und in seiner Bewegungsfreiheit einschränkte, weil er etwas tun wollen könnte.] Als ein Grund dafür, daß man annahm, dieser Mann sei wohl auch zum Terroristen geworden, wurde die dahingehende Einschätzung einer Verwandten angeführt (vgl. ). Dann muß ja etwas dransein. Werden durch Politiker und Medien erst solche Einschätzungen erzeugt und dann noch bestätigt, ergibt sich ein Teufelskreis, in dem der Eine . So stellen sich die Medien in den Dienst der Reflexpolitiker und werden selbst zu Reflexmedien, die nicht mehr informieren, sondern letztlich nur noch für Empörungen sorgen und zuerst Sachen und dann Menschen mit perfiden Begriffen brandmarken.

Studienergebnisse und Meldungen, die die eigenen Einschätzungen nicht stützen, werden denn auch von den Meinungsmachern konsequent ignoriert. Nach den Ereignissen von Littleton war bereits vom damaligen US-Präsidenten Bill Clinton eine Studie in Auftrag gegeben worden, die die Auswirkungen des Konsums von Computerspielen auf die Gewalttätigkeit untersuchen sollte. Kurz vor der Veröffentlichung titelten Zeitungen damit, diese Untersuchung habe den Beweis erbracht, daß Computerspiele für das Massaker von Littleton verantwortlich zu machen seien. Tatsächlich aber hatte die Studie das Gegenteil erbracht. Trotzdem wurden die vermeintlichen "Ergebnisse" weiterhin kolportiert, als ob die Studie selbst sie geliefert hätte (vgl. Gagne 2001). Denn schließlich - so räsonierten schon Menschen, die mit anderen Studien ähnlich arbeiteten - kann sich ja Jeder seine eigene Interpretation konstruieren (siehe ) oder auch die Aspekte herausschneiden, die ihm besonders gut zunutze kommen. Im aktuellen Kontext hatte den oben genannten US-Republikaner das Studienergebnis der 1.5 Millionen Dollar teuren Studie von Olson nicht mehr interessiert, da er es nicht in seinem Kampf gegen die seiner Meinung nach gefährlichen und Amokläufe auslösenden Computerspiele einsetzen konnte (vgl. "Nichtspielen ist ein Zeichen fehlender Sozialkompetenz", abgerufen am 08.05.2008).

Trotzdem am dafür schon notorischen 1.Mai im Jahr 2008 die Gewalt primär von Neonazis ausging (vgl. "Randale am 1.Mai: Neonazis kaperten Zug und grölten Hetzparolen" [Die Welt vom 02.05.2008], abgerufen am 08.05.2008), mahnte Günter Beckstein einen energischeren Kampf gegen Linke an, die angeblich für die Gewalt verantwortlich seien (vgl. Günther Beckstein: "Linken Gewalttätern des Handwerk legen" [Süddeutsche Zeitung vom 02.05.2008], abgerufen am 08.05.2008). Zwar hatte sich Beckstein anläßlich einer Kundgebung zum 1.Mai (vgl. "Beckstein sagt Neonazis den Kampf an" [Focus Online vom 01.05.2008], abgerufen am 08.05.2008), nicht aber in einer derart nachrichtenwirksamen Pressemitteilung gegen die Neonazis geäußert, die zum Beispiel von ausländisch aussehenden Reisenden deren "Sterilisationsausweis" verlangt hatten (vgl. Honnigfort 2008). Anläßlich der behördlichen Ausfälle gegen Antifaschisten bedankten sich dann auch schon einmal die Neonazis bei den Behörden für das "Reinigen der Stadt von Zecken und Pöbel" ("Solidarität mit den angeklagten Antifas!", abgerufen am 27.07.2008). Demnach könnte man dies immer noch als Realitätsverdrängung und inadäquate Problemlösungsstrategien ansehen - nämlich dafür zu sorgen, daß die Neonazis sich an niemandem reiben, wenn sie einmal wieder an einer Synagoge vorbeimarschieren wollen.

Ein weiterer Begriff aus dieser Aufstellung ist "Pornographie". Dieser heißt nämlich übersetzt nichts Anderes als "Hurenzeichnung" und ist entsprechend eigentlich ebenso zu werten, da er suggeriert, Alle, die ihren Körper zeigten, seien - das mag im Volksverstehen immer noch das Bild der Prostituierten sein - unehrenhaft und schäbig. Daneben ist der Begriff möglicherweise auch gröblich relativierend. So bezeichnete ein jüdischer Historiker Julius Streichers Propagandazeitschrift "Der Stürmer" als "pornographisches Hetzblatt" ("Franken unter dem Hakenkreuz. Der Nationalsozialismus in Bayerns Norden", BR, 31.03.2008; vgl. auch Pietsch 2002, S.2). Niemand wird ernstlich nun behaupten wollen, ein blondhaariges Wesen, das sich ablichten läßt, sei für die Gesellschaft derart und die gleiche Weise bedrohlich wie das Schandmaul Julius Streicher oder seine Wiedergänger.

Die Frage ist nun, mit welchen Interessen die Medienkritiker diese Debatte nun führen. Im Rahmen meiner Auseinandersetzung stieß ich diesbezüglich auf eine bemerkenswerte Gemengelage von Interessen, mit denen Menschen ein Vorgehen gegen gewalthaltige Computerspiele möglicherweise genauso verfolgen mögen:

1. Finanzielle Interessen. So wird zum Teil kolportiert, Christian Pfeiffers Interesse an einem Verbot von gewalthaltigen Computerspielen und seine Kritik an der bisherigen Bewertungspraxis der USK sei durch ein Interesse motiviert, dessen Tätigkeit zu übernehmen und dafür entsprechende Fördergelder einzubringen.

2. Populistische und scheinmoralische Affekte. Reflexpolitiker wie Uwe Schünemann und Günter Beckstein sehen in gewalthaltigen Computerspielen schon aus vermeintlich moralischen Gründen unhaltbare Machwerke. Nicht außer Acht lassen sollte man allerdings, daß es sich bei diesen Politikern um passionierte Schützenbrüder und Jäger handelt, die regelmäßig die Tötungshemmung in der Realität überwinden und dies als "Ertüchtigung" bezeichnen.

3. Versuche, vom eigenen Versagen abzulenken. Gewalthaltige Medien stellen im Sinne von korrelativen Untersuchungen (z.B. von Hopf et al. 2007) eine der Hauptgrößen dar, die mit gewalttätigem Verhalten assoziiert sind. Bewußt im Unklaren gelassen wird dabei allerdings, daß von einer Korrelation nicht ohne weitergehende Untersuchungen auf eine Kausalität geschlossen werden kann. Denkbar (und auch empirisch nachgewiesen) ist hier auch ein Selektionseffekt. Menschen, die sich als chancenlos empfinden, werden häufiger gewalttätig als andere. Mit den Medien hatte man nun - unter Verschweigen dieses Sachverhaltes - aber eine neue Erklärung gefunden, mit der die Versäumnisse der Politik exzellent an Andere weitergegeben werden konnten. Bis heute wird teilweise ein Schulsystem hochgehalten, dessen Mängel schon seit dreißig Jahren sichtbar sind, und lange Zeit wurde auch die Einsicht verweigert, daß es sich bei Deutschland um ein Einwanderungsland handelt, das sich dementsprechend auch um die Integration ausländischer Mitbürger kümmern muß. Verantwortlich für die Misere aber sollen nun die Hersteller und die Konsumenten solcher Spiele sein.

4. Strategische Interessen. Von Erasmus von Rotterdam stammt der Sinnspruch "Nur jenen, die nichts von ihm wissen, erscheint der Krieg erstrebenswert". Einige empirische Untersuchungen zeigen tatsächlich auf, daß Spieler gewalthaltiger Computerspiele kritischer gegenüber Gewalt sind und auch häufiger den Wehrdienst verweigern als Nichtspieler. Das "Sofortprogramm" der Ursula von der Leyen, mit dem prinzipiell alle Computerspiele, die Gewaltdarstellungen enthalten, indiziert oder gar verboten werden können, steht zeitlich nun auch in einem sehr engen Bezug mit Äußerungen von seiten der USA und der NATO, die Deutschen sollten "wieder das Töten lernen" und sich zum Beispiel mehr im Krieg gegen die Taliban in Afghanistan engagieren. Wollte man nun den genannten Zusammenhangsaussagen Glauben schenken, so müßte man unterstellen, es gehe darum, Deutschland zunächst auch mehr Soldaten zu verschaffen.

2. Vergleichbare Argumentationen - Eine "Enzyklopädie des Abstrusen"

Natürlich ist die "Auseinandersetzung" mit gewalthaltigen Computerspielen nicht die einzige ihrer Art. Politiker und Vertreter der Medien haben sich nach tragischen Ereignissen regelmäßig mit plakativen Äußerungen hervorgetan, in denen nach ihren konkreten Feindbildern, die sie über Jahre kultiviert hatten, vermeintlich an diesen Ereignissen Schuldige "festgemacht" wurden. Diese Äußerungen werden selbst wiederholt, nachdem die ihnen zugrundegelegten Thesen schon lange widerlegt waren. Damit wird der Eindruck erweckt, als ob die wissenschaftliche Forschung diese Einschätzungen bestätigt hätte. Diese Vorgehensweise, mit intuitiven und kaum je durch Wissen geprägten Einschätzungen Klientelpolitik oder in Berichten mit einer derartigen Wirklichkeitszusammenstellung Meinung zu machen, weckt jedenfalls kein Vertrauen in diese Gruppen. Häufig fühlen sich viele Menschen durch derartige unreife Argumentationen angegriffen.

2.1 Die Einwohner in den neuen Bundesländern

Beispielhaft sei etwa erwähnt, daß nachdem in den neuen Bundesländern eine mehrfache Kindsmörderin aufgetan wurde, der damalige brandenburgische Innenminister Schönbohm die "erzwungene Proletarisierung im Osten" für die Tat verantwortlich machte (vgl. "Kein Wahlrecht den Frustrierten!", abgerufen am 13.12.2007). Ähnlich wiederholte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer im Jahr 2008, die angeblich liberalere Abtreibungsregelung der DDR, die Schwangeren bis zur 12.Woche einen Schwangerschaftsabbruch ohne Angabe von Gründen erlaubte, habe zu einer Mentalität geführt, die Kindesmorde begünstige ("Sachsen-Anhalt: Ministerpräsident Böhmer macht DDR-Mentalität verantwortlich für Kindstötungen", abgerufen am 24.02.2008).

Diese Einschätzung rekurriert auf die älteste christlich-jüdische Morallehre, die nicht zwischen der Tötung ungeborenen und geborenen Lebens [wohl aber zwischen den eigenen Menschen und "Feinden"] unterscheidet (vgl. Hegner 2001). Während einerseits das Recht auf Abtreibung im Rahmen der sexuellen Selbstbestimmung gesehen und damit als Errungenschaft gedeutet werden kann, sehen konservative Christen Abtreibungen beispielsweise als Produkt eines "unmenschlichen Zeitgeist[es]" (vgl. "Abtreibung und Pensionsproblem" ; "Zerbröselt das Proletariat", abgerufen am 24.02.2008), und wendet sich konsequenterweise der Vatikan, der Abtreibung verurteilt, auch gegen ein Recht auf sexuelle Selbstbestimmung (vgl. Zumach 2004).

Tatsächlich hatte im Ideal des "sozialistischen Dorfes" die Kirche keinen Platz (vgl. "Schönbohms Attacke: Politisch unkorrekt - aber notwendig", abgerufen am 13.12.2007). Allerdings ist in Deutschland seit spätestens 1992 dieser Aspekt der DDR-Praxis allgemein gültiges Recht. So kann jede Frau bis zur 12.Schwangerschaftswoche, die an einer entsprechenden Beratung teilgenommen hat, ohne weitere Gründe diese Schwangerschaft beenden lassen. Die Entscheidung liegt übrigens auch heute allein bei ihr. Schließlich bestehen vergleichbare Fristenregelungen auch in anderen Ländern, ohne daß dadurch eine Zunahme von Tötungen von Neugeborenen zu verzeichnen wäre. [Übrigens ist in Staaten, in denen eine eher liberale Gesetzgebung bezüglich Abtreibung, die Rate der Abtreibungen deutlich niedriger.] (vgl. Wikipedia: Abtreibung, abgerufen am 24.02.2008). Nachdem im schleswig-holsteinischen Darry oder im gut-katholischen Sauerland ebenfalls Kindsmörderinnen aufgetan wurden, konnte man solche Äußerungen nicht hören. Von der Mörderin aus Darry wurde schnell bekannt, daß sie an religiösen Wahnvorstellungen litt (vgl. "Kindermörderin hatte religiöse Visionen", abgerufen am 13.12.2007). Mit ihren Absagen an den Sozialismus hatten die CDU-Politiker ja gerade die "Wiederverchristlichung" der Gesellschaft angemahnt. Vielleicht aber - um das Argument auf krude Weise zu retten - hatten die religiösen und in die Dorfgemeinschaft gut integrierten Mörderinnen einfach nicht verkraftet, daß die traditionellen Lebensformen, die sie doch so hochhielten, zugrundegingen.

Auch hatte Böhmer zur "Untermauerung" seiner Haltung ein ganz gegensätzliches Beispiel gebracht, nämlich daß eine Frau ihr Kind gerade nicht hatte abtreiben lassen, sondern vielmehr die Schwangerschaft geheimgehalten hatte. Wenn nun in der DDR eine "leichtlebige" Mentalität bezüglich der Abtreibung geherrscht habe, wäre es für sie allerdings leicht gewesen, eben diese vornehmen zu lassen. Tatsächlich war die DDR allerdings im Vergleich zu Westdeutschland erheblich prüder, war die Geburtenrate erheblich höher und gebaren Frauen ihre Kinder durchschnittlich in erheblich jüngerem Alter, um etwa in den Genuß einer Wohnung zu kommen (vgl. ).

2.2 Atheisten

.

Anläßlich von Amokläufen in den USA wurden ebenfalls einmal mehr die bösen Computerspiele (vgl. ) bzw. - die "Satire" war hier nicht zu erkennen - Druckwerke von Atheisten, die sich kritisch mit den vermeintlich positiven Wirkungen der Religiosität auseinandersetzen (vgl. "Strengere Waffengesetze verhindern keinen Amoklauf", abgerufen am 13.12.2007). Tatsächlich hatte der Amokläufer von Virginia, bezüglich dessen sich "Experte" Christian Pfeiffer wieder einmal "ganz sicher" gewesen war, daß gewalthaltige Computerspiele die Auslöser der Tat gewesen seien (vgl. "Wie Herr Pfeiffer fast einen Amoklauf verhindert hätte", abgerufen am 13.12.2007), - viel sonderbarer für Jemanden seines Alters - nicht ein einziges Computerspiel besessen (vgl. ); und war auch der Amokläufer, der auf Besucher einer Missionsschule geschossen hatte, christlicher Fundamentalist im "Bible Belt"-Stil gewesen, der sich für seinen Rauswurf hatte rächen wollen (vgl. "Colo. church gunman had been kicked out", abgerufen am 13.12.2007). Nicht gehört wurde etwa, daß die atheistischen Religionskritiker Gewalt verurteilen, von wem sie auch immer ausgeht.

2.3 Gegner der Vorratsdatenspeicherung

Teilweise finden die Wort- und Bildauswahl sehr bewußt statt, um bestimmte Eindrücke zu erzeugen. So wurde von einer Verfassungsklage gegen die Vorratsdatenspeicherung, an der sich über 30.000 Bürger beteiligt hatten (vgl. ), in den Radionachrichten des WDR berichtet, an dieser hätten sich "mehrere Bürger" beteiligt.

2.4 Raucher

.

2.5 Klimawandel

.

2.6 Selbstimmunisierung



2.7 In wieweit können solche Äußerungen verfangen?

Häufig sind diese Äußerungen dabei nicht bloß unreflektiert, sondern werden auch ohne Untermauerung durch weitergehende Informationen getätigt. Ein Extrembeispiel hierfür ist, daß sich tatsächlich im Jahr 2004 ein Lokalpolitiker in den USA dazu veranlaßt sah, ein Verbot von Styropor auf die Tagesordnung des Stadtrates zu setzen, weil ihm zugetragen worden war, daß große Mengen der Substanz "Dihydrogenmonoxid" (DHMO) bei dessen Herstellung verwendet werden. Nachgewiesenermaßen kann man durch Einatmen größerer Mengen dieser Substanz sterben und findet sie sich in Krebstumoren. Trotzdem gibt es nicht einmal Grenzwerte dafür, wie hoch die Konzentration von DMHO im Trinkwasser ist (vgl. Wikipedia: Dihydrogen monoxide hoax, abgerufen am 31.03.2008). Bei dieser äußerst gefährlichen Substanz handelt es sich übrigens um normales Wasser.

Trotzdem sich viele der Angriffe nachher als haltlos erwiesen hatten, haben sie doch in sofern verfangen, als sie später immer wieder als "Argumente" mißbraucht und weiterverbreitet wurden. Dies zeugt nicht gerade von einem verantwortlichen Umgang mit dem Wort. Und schlimmer noch: Immer wieder stellen sich die vermeintlichen "Heilsrezepte", die hier als Lösungen der herrschenden gesellschaftlichen Probleme präsentiert wurden, selbst als mögliche Ansätze für psychisch kranke Menschen dar, die sie motivieren, Gewalt gegen sich oder andere zu verüben.

Daß diese Begriffe verfangen haben, zeugt auch davon, daß im Menschen bestimmte Affekte vorhanden sind, die wie je auf bestimmte Impulse hin abgerufen werden können. Das Spiel mit diesen erweckt das ungute Bild von unserem Staatswesen, daß letztlich Recht bekommt, wer am lautesten schreit, egal von wievielen Kenntnissen dessen Einlassungen begleitet sind. Was ist zum Beispiel von einem selbsternannten "führenden Computerspieleexperten" zu halten, der vollmundig verkündet, "nicht jugendfreie" "Strategiespiele" wie "World of Warcraft" (das ist ein "ab 12" freigegebenes Online-Rollenspiel) seien schädlich für die Entwicklung von Jugendlichen? Und was genau ist charakterbildend am Erlernen des Gebrauchs von Waffen und dem Schießen auf Tiere in der Realität? Hier erscheint doch der Wunsch "Hauptsache (öffentlichkeits)wirksam werden" vordringlich. Deshalb muß auch eine Auseinandersetzung mit dem Verständnis stattfinden, das Menschen, die als Medienkritiker auftreten, von einem ethischen Verhalten haben.

Mit diesem bescheidenen Beitrag möchte ich auch mir ein Stückweit dieses Wortes zurückholen, das man offenbar nicht unbesehen überlassen darf. Dabei ist die Auseinandersetzung mit dem Material durchaus selbstbezüglich: Einerseits ist mir wohl bewußt, daß wenn schon die Berichte, bei denen ich dies einigermaßen beurteilen kann, derart gravierende sachliche und zum Teil auch menschliche Mängel enthalten, es auch mit den anderen ähnlich weit her sein könnte. Andererseits aber ist es doch so einfach und naheliegend, sich in Argumentationen seinerseits wieder auf Berichte aus solchen Magazinen zu beziehen. Dabei muß man allerdings etwas Augenmaß walten lassen. Denn wenn auch eine Dokumentation über die Entstehung des Theaters zwar nützliche Informationen enthält oder vielleicht gar unterhält, so begann die Zeit der Aufklärung halt wirklich nicht mit Heinrich VIII.. Weiterhin ist diese Ausarbeitung natürlich ein "Hobby"-Projekt, das primär aus der Kritik an bestimmten Berichten in den Medien entstanden ist. Wenn im Einzelfall also eine Quellenangabe fehlen sollte oder das Dokument Redundanzen aufweist, so ist dies eben auch darauf zurückzuführen, daß ich nur begrenzte Zeit darauf aufwende.

Quellen zu diesem Abschnitt:

Gagne, Kenneth A., "Moral Panics Over Youth Culture and Video Games", Bachelor's Thesis, Worcester Polytechnic Institute, 2001; URL http://www.gamebits.net, abgerufen am 16.05.2008

Hegner, Berthold, "Abtreibung und Verhütung im Mittelalter", Seminararbeit, Freie Universität Berlin, 2001, URL http://www.hausarbeiten.de, abgerufen am 24.02.2008

Honnigfort, Bernhard, "Knapp an der Katastrophe vorbei", in: Frankfurter Rundschau, 03.05.2008; URL http://www.fr-online.de, abgerufen am 28.06.2008

Kongregation für die Glaubenslehre, "Erw„gungen zu den Entwrfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen", Vatikan, 2003; URL http://www.vatican.va, abgerufen am 01.06.2008

Pietsch, Carsten, "Die Entfesselung des Hasses: Antijüdische Stereotype in den Karikaturen und Hetzartikeln des 'Stürmers'", Seminar "Der Weg zur Macht. NSDAP und deutsche Gesellschaft 1919-1933", Universität Oldenburg, 2002

Zumach, Andreas, "Menschenrechtsverletzer unter sich", in: "die tageszeitung" vom 24.04.2004, URL www.taz.de, abgerufen am 24.02.2008

 

letzte Aktualisierung: 05.01.2009